Mehrweg-Politik

In den letzten Jahren geht der Anteil der Pfandflaschen immer mehr zurück.

Mehrwegquoten bei Bier, Mineralwasser, Limonaden und Fruchtsäften von 1994 bis 2002:
Diagramm: Anteil der Pfandflaschen von Bier, Mineralwasser, Fruchtsäfte und Limonaden

Quelle: WKO, Freiwillige Selbstverpflichtung zur Wiederbefüllung und umweltgerechten Verwertung von Getränkeverpackungen. Dritter Umsetzungsbericht Juni 2003; Wiederbefüllung, Verwertung und energetische Nutzung von Getränkeverpackungen 1997, Band 5/1999; Schriftenreihe des BMUJF

Mehrweg-Systeme waren in Österreich bis Ende 2000 indirekt gesetzlich geschützt, und zwar durch die "Getränkeverpackungs-Zielverordnung", die die Vermeidung und Verwertung von Getränkeverpackungsabfällen vorsah. Bestimmte Quoten zur Wiederbefüllung, umweltgerechten Verwertung und energetische Nutzung mussten erreicht werden. In dieser Verordnung war ursprünglich vorgesehen, dass bei Nichterreichung dieser Quoten Verkehrs- und Abgabebeschränkungen eingeführt werden.

Die Einweggebinde nahmen dennoch rapide zu und schon 1999 war für alle ExpertInnen ersichtlich, dass die Quoten nicht erreicht würden. Anstatt diesen Trend mit den vorgesehenen Maßnahmen zu stoppen, wurden sukzessive die Ziele aufgeweicht und die Zielverordnung an die Realität der Wegwerf-Flut angepasst. Der Gesetzgeber hat im Jahr 2000 mit der Wirtschaft eine "freiwillige Selbstverpflichtung" vereinbart. Die Wirtschaft sollte dafür sorgen, dass Mehrwegsysteme in "ausreichender" Menge am Markt erhalten bleiben und diese auch entsprechend bewerben. Pfandflaschen für Milch sind seither aus den Regalen völlig verschwunden. Der Trend bei Mineralwässern geht unaufhaltsam in Richtung 1,5-Liter-PET-Einwegflasche. Bier wird verstärkt in Dosen konsumiert; einige Abfüller versuchen auch hier bereits auf die PET-Einwegflasche umzustellen, bislang noch mit wenig Erfolg. Säfte und Limonaden werden zunehmend in Verbundkartons und 1,5-Liter-PET-Einwegflaschen verkauft.

Quelle: www.mehrweg.at

Positives Beispiel Deutschland

In Deutschland wurde 2003 das sogenannte "Dosenpfand" eingeführt, ein verpflichtendes Pfand für Einwegverpackungen. Dieses Beispiel zeigt, dass sich durch eine staatliche Lenkungsmaßnahme umweltfreundliche Mehrwegflaschen wieder durchsetzen können. Das Pfand wurde eingeführt, weil die Wirtschaft ihre freiwillige Selbstverpflichtung - 72% der Getränke in Mehrweg abzufüllen - nicht erfüllt hat.

Die Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH) zieht in einer Presseaussendung vom 12.12.2003 eine erste positive Bilanz: "Die zweistufige Einführung des Pflichtpfandes auf Getränke-Einwegverpackungen zum 1.1. und 1.10.2003 hat den seit 1997 andauernden Zusammenbruch der Mehrwegquote gestoppt. Die Lenkungswirkung des Pfandes ist eindrucksvoll: Durchschnittlich jede zweite Dose oder PET-Einwegflasche wurde dauerhaft durch die umweltfreundlichere Mehrwegflasche ersetzt". 200.000 Arbeitsplätze in 16.000 mittelständischen Betrieben der Getränkewirtschaft profitieren vom Dosenpfand. Die Mehrwegquote lag im November bereits bei 60,3 Prozent. Und auch die KonsumentInnen sind zufrieden. Immerhin sprachen sich in einer Umfrage 75 Prozent für das Pfandsystem aus, und 48 Prozent waren mit dem Rücknahmesystem zufrieden.

Quelle: Jürgen Resch, Deutsche Umwelthilfe e.V., info@duh.de, www.duh.de

Quelle: Forsa-Umfrage: http://www.bmu.de/de/1024/js/download/b_umfragedosenpfand/